Auszüge aus der Rede von Mathias Kamps zur Vernissage im "Haus Schuler", Nottuln, am  21. April 2012

... Ruth Blanke war wieder so, wie wir sie kennen: quirlig, kreativ,
überraschend...
... wenn sie später nach Hause fahren, werden Sie über etwas ganz
Alltägliches anders denken...
... Das Prinzip "Stuhl"ist so universell wie das von Tisch oder Rad...
gibt es auf der ganzen Welt, heißen "chair" oder "chaise" oder...
.. Wir haben Stühle am Eßtisch, am Schreibtisch, im Wartezimmer. Es
gibt Küchenstühle, Bürostühle, Liegestühle...
... Sie sind einfach da... Erinnern Sie sich daran?... Dabei
verbringen wir alle jeden Tag eine Menge Zeit auf einem Stuhl...
Ruth Blanke hat sich in ihren neuen Werken mit Stühlen beschäftigt. 7
Bilder. 7 Objekte. Macht 14 Stühle, an die Sie jetzt im Moment denken
und sich fragen: 14 Stühle???

... Sie werden ganz einmalige Exemplare entdecken... Ein Stuhl hat
mich ganz besonders fasziniert... Es ist ein pinker Stuhl auf einem
Bild.

Links bewegt sich ein Vorhang im Wind, und in der Mitte steht
ein pinker stuhl. Mit schwarzen Beinen. Erst hab' ich mich gefragt:
was ist denn da wohl passiert?... Und dann wirkte das Bild auf mich.
Denn ich schaute auf die Beine. Alle 4 Beine waren anders. ebenso an
der Rückenlehne, da ging es weiter, aber die Beine waren "Beine". Und
an der Lehne war noch mehr Körper. Und dann "hatte" mich das Bild...
... Seitdem denke ich anders über Stühle, weil sie mir im Alltag auf
einmal auffallen...
... nacher daheim oder wo immer, werden Sie Stühle bemerken und diese
mit ganz anderen Augen sehen. Sie werden Details bemerken und sich
Stühle "merken"...
Reden Sie mit Ruth Blanke darüber... kleine Geheimnisse...
Viel Spaß dabei!

Gabriele Sobke, Münster, im Februar 2012

Ruth Blanke hat ihren ganz eigenen Stil entwickelt und auch gefunden. Vor allen Dingen hat sie einen Blick für den Augenblick. Sie sieht Dinge, die anderen verborgen bleiben. Dieses besondere Gefühl konnte sie in ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit der Kunst zum Ausdruck bringen.

Auszug aus der Einführungsrede von Dr. Andreas Mussenbrock,
Philosoph aus Münster, am 9. September 2006 im Haus Schuler in Nottuln

Die Künstlerin Ruth Blanke hat uns mit ihrem Bild einen Hinweis gegeben, wie heute nach dem Tod Gottes und dem damit verbundenen Abschluss der abendländischen Metaphysik die Aufforderung "Wisset die Wege" künstlerisch umgesetzt werden kann.

Ruth Blanke präsentiert uns ein geräuschloses Bild, dessen Vordergrund von einem daher schreitenden Mädchen dominiert wird. Ein Weg verliert sich kommend und gehend in den Rändern des Bildes. Das Mädchen schaut den Betrachter an als habe er ihm eine Frage gestellt. Es sieht nicht so aus als wolle es Anstalten machen, seinen Weg zu unterbrechen, um die Frage zu beantworten. Es macht überhaupt keine Anstalten, irgendeine Frage zu beantworten, im Gegenteil verrät sein Blick als wolle es sagen „Musst du selber wissen“. Es hat keine Angst, es lässt sich nicht beirren, sieht so aus als täte es etwas, was es immer schon gewusst hat.

Im Hintergrund erhebt sich ein Wald von astlosen Birkenstämmen, die ins Ungewisse zeigen. Sie machen den Eindruck als seien sie ohne Wurzeln bloß aufgestellt, bloße Kulisse. Vorbei offenbar die Zeiten, da Wälder als Symbol des Ungewissen, der Angst der Dunkelheit fungierten. Vorbei die Zeiten, wo Bäume satt und fest im Boden wurzelten und mit gewaltigen Kronen himmelwärts strebten. Kein Himmel, kein eherner Boden, keine Verwurzelung. So auch das Mädchen - eine alterslose Stille liegt über dem Bild, ein Weg ohne Anfang und Ende, ein Gehen ohne Woher und Wohin. Dennoch keine Untergangsstimmung, das Mädchen, fast in einer gewissen Heiterkeit fast gelassen, und obwohl es geht, ist es da. Man hat keinen Augenblick den Eindruck, als wolle es das Bild verlassen, im Gegenteil, seine Dynamik ist eine solche, die es erst recht präsent macht. Seine Bewegung ist eine Bewegung des Bleibens - auf seinem Weg.

Wenn ein solcher Weg beginnen kann durch die Bilderwelt von Ruth Blanke, wäre das eine Bindung von Kunst und Philosophie jenseits des Guten und Schönen. Soll ich Ihnen wünschen, auf einen solchen Weg zu geraten? Nein, ich enthalte mich lieber aller Wünsche und entlasse Sie in die Ausstellung mit den Worten Nietzsches:“ Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir. Wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn.“